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ULI Switzerland Round Table Report: Handel in der Stadt – Führt der Onlinehandel zur Erosion der Stadtzentren?

Am 22.3.2019 fand in Zürich der ULI Switzerland Round Table „Handel in der Stadt – Führt der Onlinehandel zur Erosion der Stadtzentren?“ statt.

Einkaufsstrasse in Genf

Ausgangspunkt der Veranstaltung war, dass der Onlinehandel das historisch positive Zusammenspiel von Handels- und Stadtentwicklung fundamental verändert und damit auch die Immobilienwerte beeinflusst. Aktuell sind von den tendenziell sinkenden Umsätzen der meisten „brick & mortar“-Läden vor allem die Modegeschäfte (Bekleidung, Schuhe etc.) betroffen – also jener Sektor, der den Branchenmix der Stadtzentren (und der meisten Einkaufszentren) besonders prägt. Seinen sichtbaren Ausdruck findet dies in sinkenden Passantenfrequenzen in Innenstädten und Einkaufszentren. Im Gefolge verändern sich nicht nur die Lebens- und Erlebnisqualität in den Stadtzentren, sondern auch die Immobilienwerte in den verschiedenen städtischen Teilräumen. Vor allem in kleineren Städten wird es zunehmend schwieriger, Leerstände zu vermeiden und eine qualitativ hochwertige Detailhandelsversorgung rentabel aufrecht zu erhalten.

Zunächst referierte William Kistler, Executive Vice President and Managing Director EMEA des ICSC (International Council of Shopping Centers), Chairman des Urban Innovation Networks und früherer President EMEA/India des ULI über die Veränderungen im Handel. Insbesondere in den USA gibt es erheblich zu viel Verkaufsfläche (oversupplied and underdemolished). Dennoch ist er davon überzeugt, dass der Anteil des Umsatzes in brick & mortar-Läden groß bleibt – auch deshalb, weil viele Läden merken, dass die Umsätze in den Läden steigen, wenn sie auch online stark sind. Daran hat auch die Renaissance der Cities ihren Anteil, und hierzu können auch gut gestaltete Einkaufszentren mit ergänzenden Nutzungen (z.B. Bullring Birmingham) beitragen. Ziel muss es sein, in den Städten lebendige Orte für die Menschen zu schaffen.

Es folgte eine Round-Table-Diskussion unter der Moderation von Dieter Bullinger, debecon GmbH Dieter Bullinger Consulting for better shopping destinations, in der das Thema aus Schweizer Sicht und anhand von zwei ausgesuchten Beispielstädten (Zürich, St. Gallen) beleuchtet wurde, mit folgenden Teilnehmern:

Anna Schindler, Direktorin der Dienstabteilung Stadtentwicklung der Stadt Zürich
Ralph Bleuer, Präsident Pro City St. Gallen
Dagmar Jenni, Geschäftsführerin Swiss Retail Federation
Riccardo Boscardin, Verwaltungsratspräsident Investis Holding AG
Cornel Widmer, Head of Group Real Estate Investment Management, Zurich Insurance Company Ltd.

Wesentlichstes Ergebnis dieser Diskussion war die explizite Bereitschaft aller Beteiligten, positiv zusammenzuarbeiten, um neue Ansätze zu finden mit dem Ziel, die Innenstädte lebendig zu erhalten. Denn nicht nur die Städte und die dortigen Händler haben ein Interesse an „vibrant cities“ sondern auch die Immobilieneigentümer. Gerade in den Stadtzentren handelt es sich bei den Liegenschaftseigentümern vielfach um institutionelle Investoren, und die sind an stabilen Immobilienwerten interessiert, handelt es sich doch vielfach um die Anlage von Versicherungs- und Vorsorgegeldern. Fallen die Mieteinnahmen aufgrund steigender Leerstände in den Erdgeschossen in den Städten, so könnten Rentenzahlungen gefährdet sein. Es geht also nicht, den Entwicklungen nur unbeteiligt zuzuschauen. Vielmehr gilt es, sie nicht zu negieren oder nicht in Panik zu geraten, sondern kreativ zu kooperieren und sich anzustrengen.

Autor: Dieter Bullinger

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